In der aktuellen Ausgabe von PÄDAGOGIK (Heft 11/2026, Themenschwerpunkt: Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)) ist mein Beitrag „Plausibel, wirksam – und oftmals problematisch“ erschienen. Er knüpft an die Serie „Mythen in der Schule“ an, die 2025 in PÄDAGOGIK lief. Die Frage nach Bildungsmythen richtet er auf ein Feld, das bislang kaum systematisch daraufhin untersucht wurde: die BNE.
BNE-Mythen treten selten als explizite Behauptungen auf. Sie zirkulieren in Programmen, Schlagworten und gut gemeinten Selbstverständlichkeiten. Der Beitrag beschreibt drei wiederkehrende Muster:
- 1) Reduktions- und Abgrenzungsmythen verkürzen das Mandat der BNE, etwa in „BNE ist nur Umweltbildung“ oder „BNE ist nicht mein Bier“.
- 2) Wirkungsmythen unterstellen einen linearen Weg von Wissen zu Handeln.
- 3) Polarisierungsmythen spielen Positionen gegeneinander aus, etwa „BNE muss politisch neutral sein“ gegen „BNE ist Indoktrination“.
Kaum eine dieser Annahmen ist schlicht falsch. Sie entlasten dort, wo Lehrpersonen unter Unsicherheit, normativen Ansprüchen und Entscheidungsdruck handeln. Ihr Preis zeigt sich jedoch häufig schleichend: Das didaktische Repertoire verengt sich, Erwartungen an die Wirkung von BNE geraten aus dem Lot, und Insitutionen und Akteure machen Nachhaltigkeit sichtbar, ohne sie strukturell zu verankern.
Faktenkorrektur allein ändert daran wenig, wie die Forschung zu Fehlinformation zeigt. Der Beitrag diskutiert deshalb refutationale Formate und Prebunking als Ansätze, die Begründungslogik von Mythen offenzulegen.
Der Text gehört zum Projekt MYTHSE (Myths in and about Sustainability Education, https://osf.io/d3745/). Weitere Analysen erscheinen im Blog Evidence-informed Sustainability Education (https://evsused.hypotheses.org/).
Siegel, S. T. (2026). Plausibel, wirksam – und oftmals problematisch. Pädagogik, 78(11), 34–37. Einzelbeitrag bei Beltz: https://beltz.de/zeitschriften/beitraege/plausibel-wirksam-und-oftmals-problematisch/PAED2611034